Multiboxing mittels Software – eine unproblematische Grauzone ?

Ich beobachte schon seit einigen Tagen die Diskussion im EVEger im Bezug auf softwareunterstütztes Multiboxing und die von einigen Spielern gewünschte Gleichstellung dieser Spielepraxis mit Botting. Für all jene, die mit der Thematik nicht vertraut sind hier einige Informationen in Kurzform: es ist in vielen Spielen ohne weitere möglich, mehrere Accounts über eine Maus und Tastatur zu steuern mithilfe der Software ISBoxer. Aktiviert im Falle von EVE der Spieler mittels F1 ein Waffensystem auf Account 1, so aktiviert sich das auf beliebig vielen weiteren Accounts zeitgleich. Die Anwendungsgebiete dieser Praxis liegen wohl mehrheitlich im PvE wie beispielsweise bei Incursions. Aber scheinbar auch im PvP wird das hier und da genutzt um so beispielsweise auch allein mit mehreren Accounts einen effektiven Alphastrike zu erzeugen, welcher die gegnerischen Logistic-Piloten quasi nutzlos macht, da das Schiff quasi sofort zerstört wird.
Nun könnte man sich fragen, worin hier die Problematik liegt. Gleich vorneweg – ich bin dem ganzen weder sonderlich pro noch contra gegenüber eingestellt noch bin ich in der Diskussion unmittelbar betroffen, was jedoch nicht heißt dass ich dazu keine Meinung habe.

CCP´s Standpunkt & die EULA

Gehen wir von CCP aus, ist das Multiboxen mittels Software (namentlich ist hier ISBoxer zu nennen) explizit erlaubt, denn solange kein Programm in EVE selbst eingreift und/oder aktive Spielerhandlungen immitiert ist dies kein Botten. Konkret heißt das: solange ein Spieler hinterm PC sitzt und die Entscheidungen trifft und nicht ein vorprogrammierter Algorhytmus, darf es eingesetzt werden. Und genau hier greift der erste Streitpunkt ein.
Denn der Spieler hinter dem PC gibt den Befehl an >einen< Client, das Programm leitet diesen an die anderen Clients weiter und führt ihn dort deckungsgleich aus. Fraglich ist nun also, ob diese >automatische< Weiterleitung einen unfairen, von Software ermöglichten Spielvorteil darstellt. Wörtlich findet man den betreffenden Abschnitt in der EULA im Unterpunkt 6 A 3., welcher folgendermaßen lautet:

You may not use your own or any third-party software, macros or other stored rapid keystrokes or other patterns of play that facilitate acquisition of items, currency, objects, character attributes, rank or status at an accelerated rate when compared with ordinary Game play. You may not rewrite or modify the user interface or otherwise manipulate data in any way to acquire items, currency, objects, character attributes or beneficial actions not actually acquired or achieved in the Game.

Den relvanten Teil habe ich hier nun fett hervorgehoben. Grob besagt dieser, dass man nicht über Drittanbieterprogramme, Makros oder ähnliches in das Spiel eingreifen darf, wenn diese verglichen mit dem “regulären” Spielablauf (“compared with ordinary Game play”) einen wesentlichen Vorteil bieten. Streng genommen ergibt sich folglich ein wesentlicher Vorteil durch die Nutzung des Programms. Bei Incursions wie auch im PvP lassen sich so enorm starke Alphastrikes generieren, die nur schwerlich durch mehrere Spieleraktionen oder dem einzelnen Bedienen von mehreren Clients erreicht werden können – alleine schon der Ping und die verschiedenen Reaktionszeiten der verschiedenen Spieler verzögert hier bereits die Eingabe. Streng konsequent gedacht also verstößt es also nun gegen die EULA, allein durch den Vorteil welcher sich aus der Nutzung des Programms ziehen lässt.

Der Aspekt, dass ein Spieler beim Multiboxen vor dem Rechner sitzt ist also eher weniger ein relevanter Punkt in der Debatte als die unverzögerte künstliche Weitergabe der Signale vom ersten Account an alle weiteren, die so von einem Menschen praktisch nicht möglich umzusetzen ist (oder nur mit einem Einsatz von Bastelei auf McGuyver-Niveau).

Auf der anderen Seite wurde ISBoxer explizit von CCP erlaubt, der relevante Absatz ist hierbei folgender:

Lastly, multiboxing is allowed, and programs designed for multiboxing in mind which allow a player to manually issue the same command to multiple game clients at the same time are allowed. In the same vein as what has been stated above, the player must be manually sending the commands; if a program is automating those commands for you, then it would be considered a breach of our EULA.

Folglich geht CCP einen anderen Weg als jenen, der ich gerade aus der EULA abgeleitet habe bzw. herauslese. Für CCP ist es in erster Linie wichtig, dass hinter dem Rechner ein Spieler sitzt, der die Entscheidungen trifft – logisch, Botten ist nicht erlaubt und führt zum Bann, das ist völlig unstrittig. Tastaturmakros sind auf einer ähnlichen Argumentation aufgebaut: ersetzt das Makro den Spieler (aka kann der Spieler sich von der Tastatur entfernen und diese führt seine Handlungen fort), ist es definitiv nicht erlaubt. Aus dieser Sicht ist ISBoxer dann wieder unproblematisch oder allerhöchstens eine gewisse Grauzone, da sie den ansonsten nötigen Zeitrahmen zur manuellen Weitervermittlung der Befehle an alle Clients erspart. Das tut allerdings auch streng genommen und konsequent gedacht jede manuelle Lösung, wie ich sie oben bereits erwähnt habe, folglich wäre auch diese nicht zulässig, trotz des erheblichen Mehraufwands in finanzieller und technischer Hinsicht.

Fazit:Der Vergleich Botting / Multiboxing lässt sich in meinen Augen begrenzt ziehen. Der Vorteil des softwaregesteuerten Multiboxings allerdings lässt sich in keinem Falle leugnen und ist in meinen Augen auch streng genommen eindeutig gegen die EULA. Da aber CCP vor 2 Jahren diesen besagten “Sonderfall” explizit legitimiert hat, sehe ich eher weniger Chancen, dass CCP das nun auch ächtet und ähnlcih wie das Botten als Banngrund einführt. Allerdings ist es für mich auch nicht ersichtlich, wie stark das Multiboxing nun verbreitet ist und inwiefern es dadurch ein Problem für die Wirtschaft, das PvE oder die PvP-Ballance in EVE darstellt. Diese Faktoren kann einzig nur CCP beurteilen, das einzige was die Threads im Eveger, im offiziellen deutschen Forum und dem offiziellen englischen Forum tun können ist das Bewusstsein von CCP darauf zu lenken und CCP dann darüber reflektieren zu lassen >ob< und >inwieweit< Multiboxing ein Problem geworden ist und wie man dagegen vorgeht.

Wir werden sehen, ob diese Initiative sich im Sand verläuft und CCP auf seiner Meinung zum softwaregesteuerten Multiboxing von vor 2 Jahren beharrt oder den Standpunkt zugunsten der nicht-Multiboxer verschiebt. Wie es sich auch ändert, ich hoffe dass ich mit diesem Post ein wenig Einblick gegeben und vielleicht auch ein wenig zum Nachdenken angeregt habe. 🙂

Man sieht sich in EVE, fly save o/

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3 thoughts on “Multiboxing mittels Software – eine unproblematische Grauzone ?

  1. Guter Eintrag und etwas objektiver als meiner!
    Stellt gut die Situation mit der EULA heraus und das CCP mit der Duldung eben die EULA etwas aufweicht. Deshalb kann dies jederzeit geändert werden.

  2. wir hatten neulich im ts mal den fall des bot mit aufgepropftem ISboxer aufgeworfen. da tun sich ja abgruende auf.

  3. Das Wort “Grauzone” kannst du ja eigentlich streichen, denn die “Grauzone” bestimmt CCP. In diesem Falle ist es ja erlaubt also keine Grauzone. Alles blüten Weiß. Für mich hat das allerdings auch einen faden Beigeschmack.

    guter Artikel, danke

    lg deep

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