Hotdrop-Erfahrungen & eine Erkenntnis

Hotdrops.
Nur wenig in EVE wird kontroverser diskutiert als Hotdrops. Die Vorgehensweise ist im Grundprinzip immer gleich – die Hauptflotte wartet am Titan / Black-Ops-Schiff, ein Scout (oder mehrere) roamen in Sprungreichweite der Titans/BOs, suchen Ziele und sehen möglichst unschuldig aus damit sie ein Gegner angreift. Greift dieser an, öffnet das angegriffene Schiff ein sogenanntes “Cyno” (kurz für Cynosural Field), durch welches weitere Schiffe springen und in den Kampf eingreifen können.

Es ist im Grunde eine Falle, die für den Angreifer in diesem Falle extrem schwer erkennbar ist und die mehr als oft nur sehr geringe Gefahren für die Hotdroper bergen (Achtung: weder stammt das Video von mir, noch hat meine Allianz oder eine Corp darin einen Anteil – wir besitzen keinen einzigen Titan und die kürzlichen BO-Hotdrops sind eine absolute Ausnahme, die sich vermutlich (hoffentlich) so schnell nicht wiederholen wird). Ich möchte an der Stelle außerdem explizit vorweg sagen, dass das hier kein whine-/heul- oder sonstiger Meckerbeitrag ist – ich möchte hier einfach nur erläutern wie ich den heutigen Abend erlebt habe, als wir mit T3-Schiffen (ich in einer Loki) und ein paar wenigen Bombern “unterwegs” waren. Wer mir da whine vorwerfen will soll das tun, sollte aber nicht damit rechnen dass es mich mehr juckt als die Wasserstandsmeldung der Enz vom vorletzten Jahr 😉

Zurück zum Thema: die B.R.B hat infolge gewisser Geschehenisse eine kleine T3-Blackops – Fleet gestartet, die grob mit 10 T3-Piloten und ein paar Bombern bestückt war. Der Abend lässt sich folgendermaßen in Kurzform beschreiben:

  • a) warten, bis die Scouts ein mögliches Ziel fanden – also Cloak an, auf 9gag herumsurfen und nette Konversation im TS
  • b) decloak, an die Widow ran (das Caldari-Blackops) und warten (und dabei ja nicht das BO bumpen – im Laufe des Abends meisterte ich das sorgfältige, langsame annähern einer Loki an eine Widow mit und ohne MWD)
  • c) wenn die Ziele ansprangen, “jump jump” wie durch ein normales Stargate
  • d) zum Gegner warpen
  • e) Gegner auseinanderfetzen
  • f) zurück zum Ausgangspunkt, cloak an und zum Punkt a)

Hört sich öde an ? Zugegeben, es war mal was neues… die ersten 10 Minuten. Stelle ich mir vor >das< in EVE als Hauptbeschäftigung im PvP zu betreiben, ich würde vermutlich bereits nach 2 Abenden wieder meinen eingemotteten WoW-Account aktivieren. Oder Solitär spielen. Oder die Raufasertapete neben dem Monitor anstarren. Gut, das vermutlich nicht, dass ich aber an jenem Abend auf dem Tablet meiner Freundin einige Level in “Candy Crush” weitergekommen bin sollte ausdrücken wie stark EVE mich forderte – gar nicht.

Fazit: Hotdrops finde ich sehr öde. Vergleichbar mit stundenlangen Gatecamps, PvE, Minern oder dem täglichen aktualisieren von 300 Marktorders. Nebenher mit Musik und guter Gesellschatft durchaus mal erträglich für eine Weile, aber für mich in jedem Fall niemals eine mittel- oder gar langfristig erfüllende Beschäftigung. Natürlich – wer hat, der kann, wer einen Titan hat kann Hotdropen. Aber ich empfinde Mittleid, wenn Spieler die Essenz des PvP in  überzahl-Hotdrop-PvP suchen. Denn offensichtlich können sie der möglichen Intensität eines zumindest ansatzweise ausgeglichenen Kampfes nichts abgewinnen. Sicherlich “gewinnen” sie, sicherlich hält sich der Schiffsverlust in Grenzen. Aber da kann ich mich ehrlich gesagt auch gleich vor die Playstation setzen, bei “game over” einfach auf “Spiel laden” drücken und es noch einmal probieren.

Ich fühle mich an der Stelle aber auch verpflichtet sagen: natürlich ganken wir in B.R.B. auch mal. Das fängt beim afk-Schiff im Lowsec an, das die 10 Kilometer zum Gate hinschleicht und aus der Hüfte weggeschossen wird, geht über zum Minerganking im Highsec und endet bei dem üblichen abschießen von durchfliegendem Kleinkram (oder “Großkram”) dem man beim üblichen Roam immer mal ohne großen Aufwand habhaft werden kann. Die Kernintention aber ist das nahezu oder vollkommen ausgeglichene PvP, in dem eine Vexor mit 2 fast verglühenden Remote-Reppern und Resi-Modulen verzweifelt die eigenen Logistics unterstützt, weil man angst hat dass sonst möglicherweise der Rep der eigenen Fleet bricht. Als Condor in einem small-FW-Plex gegen Slasher und Merlin engagen und hoffen, die eine von der anderen trennen und grillen zu können.
Natürlich versuchen auch wir fights so vorteilhaft wie möglich zu gestalten, die Gatesentry-Aggro auf den Gegner abzuwälzen oder einen Boosteralt ins System zu bekommen bevor der Gegner engaged wird. Natürlich werden offensichtlich zu unvorteilhafte Kämpfe ebenso nicht eingegangen, es ist unnötig mit einer AB-Nahkampfflotte auf Armor ohne Logistik gegen eine gleich große Shieldkiting-Sniperfleet mit longrange-Punkt und Logistik anzutreten. Allerdings ist >meines Erachtens< ab einem gewissen Höchstrisiko eine Grenze erreicht, in der man kaum noch von PvP sprechen kann, sondern von risikoaverser Killmailgeilheit. Diese Grenze ist natürlich von Person zu Person verschieden, jedoch… gut, was kann man hier “jedoch” schreiben ? Es ist wie beschrieben letztlich Meinungssache und am Ende kann nur CCP entscheiden, ob sich an der Mechanik etwas ändert. Unser Weg dem Cyno zu entkommen ist letztlich jener, offensichtlichen Fallen und den üblichen Hotdropenden Allianzen auszuweichen, ihnen keine für sie zu 100% optimalen Fights zu geben und uns an der Menge an schönen Kämpfen zu erfreuen die wir bekommen. Dass dabei die Effizienz auf dem Killboard nicht bei 80%, 85% oder gar 90% liegt ist uns letztlich egal – es ist einfach nur eine Zahl.
Und dass eine einzige Zahl am Ende nur wenig über die Fähigkeiten und Qualitäten aussagt, belegt schon allein die 4 in Mathe auf meinem Realschulzeugnis.

(Ich muss zugeben, eigentlich wollte ich den Post noch nicht veröffentlichen. Scheiß drauf, jetzt bleibt der erstmal da…)

Advertisements

Stockpiles – weil es auf die Masse ankommt – Teil 2

Nun kommen wir zu besagtem Einfluss, den Stockpiles auf die EVE-Wirtschaft haben. Dazu ist wieder etwas Vorwissen zu früheren Patches und Marktsituationen notwendig, weswegen ich ein wenig in die Vergangenheit zurückgreifen muss.

Vor der Einführung von Planetary Interaction (auch schlicht als P.I. bekannt) waren einige Produkte daraus bereits über NPC-Sellorders in EVE erhältlich, die sich nach jeder Downtime erneuert haben. Ein Beispiel dafür sind die Guidance Systems. Sie hatten damals nur wenig Sinn – einige wenige haben sie bei NPC 1 gekauft, sind damit einige Systeme weiter getuckert und haben sie dort an NPC 2 für ein wenig mehr ISK verkauft. Dabei kam ein wenig ISK herum, aber eigentlich nicht wirklich so viel dass es relevant oder gar überhaupt lohnenswert gewesen wäre. Missionrunning (sogar Kurriermissionen) und Minern war da effizienter und so fristeten diese Items ein Schattendasein als etwas, das irgendwann einmal vielleicht möglicherweise etwas mehr wert sein könnte. Hier und da fielen die Gegenstände auch einem Missionrunner in die Hände, wenn er beispielsweise mal eine Struktur schoss und lootete. Letztlich also mehr oder minder ein wenig Bonus-ISK, wenn er sich die Mühe machte den Kram auch zum NPC zu schiffen.

Aber niemand mit Verstand arbeitet gerne mit diesen hypothetitischen Begriffen wenn es um seine Kohle geht, wenn es nicht einen gewissen Grund dafür gibt (außer möglicherweise die Stadt Pforzheim, die gerne mit sogenannten “Spread-Ladder-Swaps” Lotto spielt und damit massiv auf die Nase fiel). Daher hat sich auch kaum jemand darum gekümmert und die Sell- & Buyorders der NPCs haben großflächig Staub angesetzt.

Bis zu jenem Zeitpunkt, an dem Gerüchte laut wurden dass mit dem Addon “Tyrannis” 2010 diese Items einen Sinn bekommen würden. Von diesem Moment an kauften einige Spekulanten einiges dieser Waren an, die Spekulationssaison wurde quasi eröffnet. Als dann die Änderungen auf Sisi (dem Testserver von EVE) sichtbar waren, brachen endgültig alle Dämme – die NPC-Order waren ausverkauft, wohin man sah. Vielleicht fand man noch in einem verlassenen Lowsec-System ein wenig davon, aber großartige Chancen es im Highsec zu bekommen waren so gering wie der Wirkungsgrad von Homöopathie – nicht nachweisbar. Und so konnten in der Zeit vor Tyrannis viele Spieler eine riesige Menge an Stockpiles angehäuft werden, die zusammengenommen den Bedarf über Jahre decken konnten und somit die Produktion dieser Gegenstände in dieser Zeit extrem unprofitabel machten. Die Rechnung war einfach: man kaufte einfach für 3 Milliarden Menge X und konnte sich quasi sicher sein, dass sie in 1 Jahr 6 Milliarden wert war. Und der Faktor den ich hier ansetze, der ist noch gering – sehen wir uns an dass Guidance Systems beispielsweise damals >420 ISK< gekostet haben und sie heute in der BUYorder 23.000 ISK bringen haben die Leute damit quasi eine ISK-Druckerei, die stetig an Wert gewinnt – denn der Herstellungspreis für 1 Guidance Systems liegt >mindestens< bei rund 38.000 ISK. Wer also eine längere Zeit (>1 Jahr) kein EVE spielen kann / will, dem sei als Anlagemöglichkeit diese genannt – sie ist nahezu sicher.

Ähnlich verhält es sich mit den Mining-Barges – eine Retriever kostete vor nicht einmal einem Jahr noch keine 10 Millionen. Heute ist sie knapp 30 wert infolge der Verteuerung nach der erhöhung der Mineralienanforderungen. Trotzdem blieb sie lange noch weit unter den Produktionskosten, weil viele die sie noch für 10 Millionen prodzierten sie auch für 25 los geworden sind. Heute ist sie mehr oder minder auf einem annehmbaren, realistischen Level und allmählich auch für Produzenten ohne Verluste produzierbar, aber es gibt deutlich profitablere Waren, weswegen man wahrscheinlich eine “alte” Barge von vor 1 Jahr kauft oder von einem Produzenten, der nicht rechnen kann (oder sich schlicht mit weniger Gewinn zufrieden gibt). Und genauso verhält es sich auch mit den BS-Änderungen die in gut 2 Wochen anstehen. Es werden Stockpiles in Massen produziert, die den Markt an dieser Stelle für Produzenten temporär extrem profitabel machen, ihn im Gegenzug aber über eine gewisse Zeit nach den Änderungen für den Produzenten völlig ausschalten. Bei den BS wird es wohl weniger hart ausfallen wie bei den Mining Barges, einfach weil sie auch als Kampfschiffe einer deutlich größeren Gefahr ausgesetzt sind als ein Bergbauschiff, aber man kann dennoch einiges an Gewinn daraus schaffen.

Wie viel… das wird sich zeigen.

Stockpiles – weil es auf die Masse ankommt – Teil 1

“Stockpiles” werden den den meisten unter uns zumindest im Ansatz etwas sagen können. Einfach kann man das als “Warenhaufen” übersetzen, eine Masse von Waren die sich an einem Ort unter einer Verfügungsgewalt sammelt. Sammle ich 10 Millionen Einheiten Tritanium mache ich im Grunde nichts anderes als einen solchen Haufen zu erzeugen. Das lässt sich auf jede Größe beliebig anwenden, ist also ein weitläufig auszulegender Begriff der mit der nominalen Anzahl der Wareneinheiten nichts (oder nur wenig) zu tun hat.

In EVE wie auch der realen Marktwirtschaft erfüllen Stockpiles mehrere Funktionen:

Absicherung gegen zukünftigen Preisanstieg

Diese Funktion erfüllt ein Stockpile, wenn man beispielsweise einen relevanten Anstieg der POS-Spritpreise erwartet. Man kauft beispielsweise – mitunter trotz der Unmöglichkeit eine POS so langfristig zu befüllen – eine riesige Menge an Fuel Blocks, einfach weil diese zum Kaufzeitpunkt billig sind oder in Zukunft teurer werden. Man spart sich quasi die Mehrkosten so lange wie der Stockpile an Fuel Blocks die POS am laufen hält, solange die Fuel Blocks innerhalb dieses Zeitraums nicht unterhalb des ursprünglichen Kaufpreises fallen (danach schlägt das folglich in Mehrkosten um). Genau das habe ich unabsichtlich getan, indem ich für 3 Monate Fuel für meine POS besorgt habe – kurz danach sind die Fuelpreise infolge der Ankündigungen der Ice-Änderungen auf dem Fanfest vollends durch die Decke gegangen und die Fuelpreise gleich mit. Da ich so oder so POS-Fuel benötige (also recht unelastisch in meiner nachgefragten Menge bin), spare ich mir so die Mehrkosten. Horay, so spart man sich einige dutzend Millionen ISK 😀

Verminderung des logistischen Aufwandes

Der vielleicht am häufigsten auftretende Grund warum ein EVE-Spieler einen Stockpile anlegt. Die benötigte Zeit, um seine Produktion / das geminerte Erz / den Loot / das Salvage jeden Tag nach Jita zu karren ist u.U. nicht so gering – wer mal 20 Sprünge mit einem Freighter hinter sich gebracht hat, der wird wissen was ich meine. Effizienter ist es logischerweise, diese Masse 1 x pro Woche / alle 2 Wochen / jeden Monat oder in jedwedem beliebigen anderen Intervall zum nächsten Handelshub zu karren und dann erst die gesammelten Stockpiles an Loot / Salvage / Erz auf den Markt zu werfen. Denn sind wir mal ehrlich: was meine Traderkollegen in den Missionhubs an ISK direkt für Loot zahlen ist ein Fliegenschiss, bestenfalls. Und die fliegen letztlich auch nur 1 oder 2 mal im Monat rüber um das Zeug abzuholen.

Gewinnabsicht

Zuletzt noch die naheliegendste Funktion – wo die einen kaufen um ISK zu sparen (wie die POS-Betreiber), gibt es zeitgleich noch die Möglichkeit einen Gewinn daraus zu ziehen. Das Prinzip ist dasselbe, nur behält man den Stockpile nun nur noch so lange, wie er letztlich benötigt um nach der Preiserhöhung durch den Badarf des Marktes aufgebraucht zu werden, aka sich zu verkaufen.
Dazu dann letztlich mehr in Teil 2, denn dieser Punkt beeinflusst die Märkte in EVE stellenweise bereits seit Jahren, insbesondere im Hinblick auf PI-Materialien.