Marktmacht, Verkaufsmengen und… Cartman

Nach langer langer Weile Zeit nun endlich mal wieder ein paar Gedanken zum Trading. Heute mit dem Thema, wie man möglichst effizient seine Waren wieder verkauft. Natürlich ist die Funktionsweise klar – Rechtsklick, “sell this item” auswählen, Preis eingeben, enter, fertig. Allerdings gibt es einige Feinheiten, die ich bisher noch nicht so richtig in diesem Blog ausgeführt habe. Um das gleich so zu sagen: dieser Post ist sicherlich auch für Produzenten recht hilfreich, da es in erster Linie um das effektive Verkaufen von Waren geht, weniger um das Trading an sich. Es funktioniert auch nicht mit jedem Produkt, da es eine gewisse Marge aufweisen muss – 3-5% reichen nicht wirklich aus, die Möglichkeiten fangen erfahrungsgemäß erst bei >6% an, vorrausgesetzt man hat selbst ein gutes Standing & zahlt nicht so viele Steuern.

Ich empfehle eine Tasse Tee oder Kaffee zur Lektüre dieser Textwand – wer es schneller haben will, für den habe ich unten ein TL;DR, auch wenn ich empfehle es wirklich zu lesen + zu verstehen.

Zum Thema: eine der Feinheiten die ich in letzter Zeit öfter nutze, nenne ich persönlich die “Cartman-Methode”.
Ihr kennt vielleicht den kleinen rassistischen Fettsack aus der bekannten Satireserie Southpark ?South_park_cartman-1045Ja, genau den. Man muss Southpark nicht mögen um es zu verstehen, keine Angst.
Ich muss dennoch erklären warum ich es so nenne: in einer Folge kauft Cartman mit dem Erbe seiner Großmutter einen Freizeitpark, mit dem Ziel diesen ganz alleine nutzen zu können. Da dieser Freizeitpark jedoch logischerweise auch Kosten mit sich bringt, muss er nacheinander Wachmänner, Mechaniker, Verkäufer etc. einstellen, die den Park am laufen halten. Um diese zu bezahlen, lässt er immer nur exakt >die< Menge an Personen in den Park, bis die Gehälter der Angestellten gedeckt sind. Dadurch muss er neue Leute einstellen und wiederum mehr Leute in den Park lassen, wodurch er am Ende letztlich wieder an seinen Fahrgeschäften anstehen muss (auf die Idee, dass er als Parkbesitzer einfach einen Platz ganz vorne haben könnte kommt er leider nicht).

Betriebswirtschaftlich arbeitet Cartman damit mit dem Prinzip des niedrigsten möglichen Verkaufspreises, dem sogenannten Deckungsbeitrag (der auch erklärt, warum Hotels außerhalb der Saison oder Kinos unter der Woche so billig sind). BWL-Studenten fallen jetzt vielleicht die qualvollen Vorlesungen zur Kosten-/Leistungsrechnung ein – meine Affinität dazu lässt sich damit erklären, dass das interne Rechnunsgwesen mein Studienschwerpunkt ist und KLR demzufolge sowieso nach dem Studium Teil meiner Arbeit ist.

Wie dem auch sei, im Kern hatte Cartman den eigentlich vorher unprofitablen Freizeitpark wieder flott gemacht. in erster Linie ist dieser Erfolg dem Marketing zuzuschlagen, da diese Stück-für-Stück – Strategie Aufmerksamkeit in den Medien von Southpark erzeugte und damit kostenlos Werbung für den nun “exklusiven” Park machte. Die Leute wollen haben, was selten ist, gleich wie normal es ist. Und sie zahlen dafür mehr Geld als sie dafür ausgeben würden, wenn es nicht selten ist. Bestes RL-Beispiel sind Collectors-Editions oder generell fast alles wo “limitierte Auflage” draufsteht. Da ist niemand vor gefeit, selbst der Professor der darüber Vorlesungen hält ist stolz darauf, jede einzelne CD/Platte/whatever von ABBA zu haben.

Nehmen wir also nun diese Stück-für-Stück – Verkaufstechnik von Cartman und behalten sie im Hinterkopf, denn sie ist nur von Nutzen wenn wir uns daneben noch die Gegebenheiten der Wirtschaft von EVE ansehen, insbesondere das Prinzip der Marktführerschaft. Denn in EVE herrschen zwar ähnliche, jedoch von der Realität abweichende Gesetzmäßigkeiten des freien Marktes. Skalenerträge (also das Prinzip, dass überproportional mehr produziert wird, wenn die Produktionsfaktoren erhöht werden) beispielsweise existieren kaum. Dadurch sind beispielsweise Items, welche von einem großen Produzenten produziert werden nicht notwendigerweise preiswerter, als die Items von kleinen Produzenten. Dadurch werden die Preise des Endproduktes fast immer zwischen Buy- & Sellorder von z.B. Jita liegen. Logisch – unter Jita Buy zu verkaufen ist sinnfrei, es sei denn der Transport nach Jita ist teuer oder der Verkauf ist verlustreich (was z.B. bei geriggten Schiffen der Fall ist).

Nehmen wir ein praktisches Beispiel: wenn ich 10 T3-Subsysteme für jeweils 12 Mio das Stück gekauft / produziert habe und der normale Sellorderpreis bei 15 Millionen liegt, könnte ich theoretisch gleich auf 13 Mio das Stück heruntergehen. In der realen Welt könnte ich damit Konkurenz effektiv aus dem Geschäft drängen, da diese möglicherweise nicht zu 13 Mio das Stück produzieren kann. Ich hätte meine Marktmacht gesteigert, da es nun weniger Konkurrenz gibt generiere ich mehr Umsatz, kann expandieren und damit >noch< günstiger produzieren, was potenzieller Konkurenz wiederum eine höhere Markteintrittsbarriere setzt. Da in EVE jedoch jeder nahezu zum Mindestpreis produziert, kann sich die Marktmacht nicht in dieser Konsequenz ausdrücken. Die Konkurrenz fällt nicht weg, sie zieht mit. Einerseits weil sie mit der geringeren Marge lediglich weniger Gewinn einfährt, andererseits weil ich meine Produktionskosten durch meinen höheren Umsatz nicht merklich senken kann (da Skalenerträge wie gesagt nicht oder nur kaum existieren).

Nun habe ich also 2 Optionen:
a) ich verkaufe 10 Subsysteme und mache die 0,01 ISK-Spielchen mit
b) ich biete alle 10 Subsysteme für 13,5 Millionen das Stück an
c) ich setze nur 2 Subsysteme in den Markt und spiele das 0,01 ISK-Spiel
d) wieder nur 2 Subsysteme, jedoch bei 13,5 Mio das Stück

Option a) ist Standardtaktik und verlangt eine hohe Aktivität, um alles zu verkaufen.
Option b) senkt die Marge – ohne jedoch nennenswert Konkurrenz zu verdrängen. Man loggt am nächsten Tag ein, nur um 5 Orders über der eigenen zu finden. Grund ist dieser, dass man keinen Druck auf die Konkurrenz ausüben kann und folglich diese Aktion lediglich die Konkurrenz dazu bringt im Preis mitzugehen und den niedrigeren Preis Kurz- bis Mittelfristig zu festigen. Und die Menge die man verkauft ist zu groß und stellt ein gewisses Risiko dar, sodass die Wahrscheinlichkeit dass jemand gleich alle 10 Subsysteme kauft relativ gering ist.
Option c) hat alle Nachteile von Option a) und obendrein muss man beim leerlaufen der Order mehr klicken, um sie wieder neu einzustellen. Nicht sinnvoll.
Option d) wiederum bietet die Möglichkeit auf einen interessanten Effekt. Ich hatte genau diese Technik bei einem Subsystem probiert, welches über eine recht hohe Marge von etwa 10% verfügte. Das Resultat war, dass die komplette Order zuverlässig von immer denselben Leuten gekauft wurde. Jeden Tag.

Entweder also wollte jemand günstige Subsysteme kaufen oder es war jemand, dem die Marge am Herzen liegt – also evtl. ein Trader. Wenn dieser 2 der günstigen Subsysteme einkauft, geht er ein überschaubares Risiko ein und macht letztlich selbst mit diesen 2 gekauften Modulen noch etwas Gewinn, wenn die Marge bleibt. Dem kleinen Risiko eines absolut gesehen kleinen Verlustes steht also das Risiko des Verlustes einer guten Marge gegenüber, welche zukünftig wiederum mehr Gewinne generieren kann. Kurz: Marge bleibt, wenn er die billige Ware kauft oder Marge geht, wenn er die Ware nicht kauft. Es ist ein Abwägen, das stärker zum Aufkaufen der Ware tendiert, je weniger Risiko der Käufer letztlich darin sieht dass die Marge abfällt, wenn er die Order nicht aufkauft. Man bietet jeden Tag ein kleines Stück des Risikos an, welches bei Option b) (alle 10 Subsysteme für 13,5 Mio) niemand auf einen Schlag eingehen will, wodurch die Wahrscheinlichkeit höher ist dass jemand es eingeht.

Wenn man also mit Option d) regelmäßig Käufer findet, setzt man einfach 2-3 Subsysteme pro Tag in die Orders und lässt es laufen. Man geht dem zeitraubenden 0,01 ISK-Krieg aus dem Weg und generiert dennoch einen annehmbaren Gewinn. Man arbeitet damit letztlich effizienter, was also effektiv bedeutet: mehr ISK/Stunde.

 

TL;DR: lies  gefälligst den verdammten Text, ohne die Mechanik zu verstehen macht es keinen Sinn mit Methodik zu traden.

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