Chartanalyse in EVE Teil 2

Siehe da, es war noch ein unvollendeter zweiter Teil der Chartanalyse in den Drafts. Ohne Bilder, dafür mit etwas Text. Also noch die Bilder hinzugefügt, auf Aktualität gescannt, überarbeitet und et voilá – der zweite Teil der Chartanalyse.

Donchian Channel
Der Donchian Channel wurde nach seinem Erfinder benannt, dem Wirtschaftswissenschaftler Richard Davoud Donchian, der 1960 in dem Artikel “High Finance in Copper” im Financial Analysts Journal zum ersten mal einen solchen “Kanal” beschrieb.

Der Einfachheit halber zitiere ich an dieser Stelle aus Wikipedia:

[Beim Donchian Channel] handelt sich […] um die Grenzlinien, welche durch das höchste Hoch und das tiefste Tief der vergangenen n Tage […] gebildet werden. Durchbricht der aktuelle Kurs eine dieser beiden Linien, so wird das als Bestätigung für einen Auf- oder Abwärtstrend gesehen.

Auf EVE übertragen: verbinden wir den höchsten Verkaufspreis und den niedrigsten Verkaufspreis der letzten 100 Tage und füllen die Fläche zwischen diesen Linien aus, haben wir den Donchian Channel der letzten 100 Tage für das ausgewählte Produkt.

21.02.2017 23057.png

Aktuell wird der in EVE ganz simpel als eine graue Fläche dargestellt, hier habe ich in diesem Bild den rechten Teil gekennzeichnet.

Nun stellt sich die zentrale Frage, wie einem der Channel bei der Beurteilung der Profitabilität eines Handelsproduktes helfen kann.

Zuerst lässt sich sagen, dass der Donchian Channel ein Indikator für die Stabilität eines Investitionsgutes sein kann. In EVE wie auch in der Realität bedeutet das: “schmaler” Donchian Channel = stabiles Gut, “breiter” Donchian Channel = stark volatiles und damit im Preis stärker schwankendes Gut. Für Stationtrading hat damit ein breiter Channel für sich genommen eine bessere Gewinnerwartung, da ein besserer Spread zwischen Buyorder und Sellorder impliziert werden kann. Zu diesem Zweck eignen sich aber Minimum/Maximum deutlich besser, da der Donchian Channel in EVE 5 Tage verzögert abgebildet wird – das Maximum wie auch das Minimum wird 5 Tage lang beibehalten, solange es nicht Über- oder Unterschritten wird und folgt dann erst am 6. Tag dem Wert von vor 5 Tagen. Minimum/Maximum ist daher als eine “Momentaufnahme”

Im Falle von EVE muss ich sagen, dass an dieser Stelle die Analyse meines Erachtens bereits beendet ist. Der Donchian Channel wird auch heute noch im RL (auf die Diskussion ob das noch zeitgemäß ist oder nicht gehe ich an dieser Stelle nicht ein) für Trendanalysen oder auch für die Ermittlung von Markteintritts- als auch Marktaustrittszeitpunkten genutzt. Die Grundform wäre in dem Falle:

  • Kaufen, wenn der gleitende Durchschnitt (ob 5 Tage oder 20 Tage ist hierbei Geschmackssache, ich tendiere zu rubusteren 20 Tagen) den oberen Rand des Donchian Channels erreicht und
  • Verkaufen, wenn der Graph am unteren Rand ankommt

Das hört sich im ersten Moment etwas Schizophren an: kaufen, wenn der Graph hoch geht und verkaufen, wenn der Preis unten ist. Wir müssen aber bedenken: der Donchian Channel ist dazu da, um Trends zu erkennen. “Trend” heißt aber, dass der Preis längerfristiger steigt oder fällt und man diese Informationen nutzt, um in der Zukunft über diesem Preis zu verkaufen. Ein klassisches Investitionsgeschäft mit Kaufen –> eine Zeit halten –> Verkaufen und kein Arbitragegeschäft, wie man es im Stationtrading eher tätigt, indem man einfach nur den Spread zwischen Buyorder und Sellorder ausnutzt.

EVE allerdings ist nach wie vor nur ein Spiel und die Margen sowie die Volatilität der Dinge, mit denen man in EVE handeln kann, existieren in dieser Form in der Realität eher selten bis gar nicht. Außerdem kann jeder Patch, jede Änderung im Meta ein Investitionsgut von einem positiven Trend entweder wie eine Rakete nach oben schießen oder auch wie einen Stein nach unten fallen lassen. Natürlich kann das auch im RL passieren, aber hier sind die Maßgaben ganz andere. Ein Markt kann gesammelt und komplett nach unten ziehen (im RL zuletzt gesehen in den Jahren der Finanzkrise 2007/8), da es viel komplexere Wechselwirkungen und Verbindungen zwischen den Unternehmen, den Rohstoffen, Beteiligungen, Motivationen der Investition usw. gibt. Und das ist etwas, das man in seiner Gesamtheit in EVE nicht kennt – hier schmieren nicht alle Märkte zugleich ab, sondern maximal einzelne Produkte oder Produktgruppen, je nachdem welche Sparte man sich ansieht und wie die Produkte in der Produktionskette miteinander verwoben sind.

Außerdem funktioniert Investition in EVE anders. Beim Trading sucht man sich hier nur selten einfach ein Gut und schaut, ob z.B. der Trend auf Grundlage des Channels positiv aussieht. Die meisten Spieler in EVE investieren auf Grundlage von zukünftigen Patches und logischen Schlussfolgerungen.

Ein Beispiel ist der Markt für Salvage.
Die Preise für diese Ware gehen in breiter Masse durch die Decke und werden auch noch weiter steigen. Der Grund: simple Logik. Denn CCP hat bereits vor langer Zeit angekündigt, das POS-System abzuschaffen und die Produktion künftig nur noch in Citadels und Engineering Complexes zuzulassen. Dafür brauchen diese Einrichtungen aber Rigs. Und diese Rigs brauchen eine riesige Menge an Salvage. Es braucht keinen Donchian Channel, um zu wissen dass Salvage damit mittelfristig für 2017 eine sichere Bank sein wird und allerspätestens zum Zeitpunkt der Abschaffung des POS-Systems nochmals kräftig anziehen wird.

Dazu kommt dann nächsten Montag mehr. 🙂

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